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Inkognito bei den Gaswerken
Als Getreidemarkt hatte man die Schrannenhalle errichtet - doch diesen Zweck erfüllte das Bauwerk nur 20 Jahre lang. Seit der Eröffnung war immer wieder die große Entfernung zum Bahnhof in die Kritik geraten – schließlich wurde das Getreide überwiegend mit der Eisenbahn transportiert. Hinzu kam, dass sich Anfang des 20. Jahrhunderts im Münchner Süden Konkurrenz angesiedelt hatte: Die neu errichtete und verkehrs-

technisch günstiger gelegene Großmarkthalle entzog der königlichen Halle ihre Marktfunktion nach und nach. Riesige, überdachte Flächen in bester Altstadtlage standen leer, so dass man sich entschied, hier künftig diverse andere Märkte und Messen abzuhalten. Schon 1873 war die Blütezeit der Schrannenhalle vorbei.
1914 begann man, das eindrucksvolle Bauwerk zu demontieren. Nur ein kleiner Teil verblieb am Viktualienmarkt, bis ein Brand im Jahr 1932 auch diesen zerstörte. Damit verschwand die Schrannenhalle - bis auf das Freibankgebäude – von der Bildfläche der Innenstadt.

Ein Teilstück indes blieb erhalten: Ein knapp 110 Meter langer Bauabschnitt landete bei den Gaswerken an der Dachauer Straße. Über 50 Jahre lang fristete die königliche Halle, zur Lagerhalle degradiert, dort ein tristes Inkognito-Dasein – und der einzige heute noch erhaltene Teil der Schrannenhalle geriet in Vergessenheit.



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